Stadtrat fasst Beschluss zu Platz in Kleinwaltersdorf
FREIBERG- Die Sportler des Kleinwaltersdorfer SV bekommen einen neuen Kunstrasenplatz - Vorausset- zung dafür ist allerdings ein positiver Fördermittelbescheid. Nach Diskussionen im Stadtrat und mit den Einwohnern des Freiberger Ortsteils, die sich über Jahre hinzogen, stimmte gestern Abend bei drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen die Mehrheit in namentlicher Abstimmung für den Bau des rund 970.000 Euro teuren Platzes, von dem sich die Politiker vor allem eines erhoffen: Der Verein, in dem in erster Linie Fußballer aktiv sind, soll wieder eine lebendige Nachwuchsabteilung bekommen. Bisher stand dem die Beschaffenheit des vorhandenen Platzes im Weg. Beifall von Vereinsmitgliedern Die Fußballer, die zur gestrigen Abstimmung in großer Zahl dabei waren, beklagten, dass sie im Sommer einen staubigen und im Winter einen matschigen Platz hätten. "Kein Nachwuchsfußballer aus dem nahen Stadtteil Friedeburg will bei uns trainieren", betonte Abteilungsleiter Bernd Grämer. Mit Beifall begleiteten er und seine Vereinsmitglieder die Entscheidung des Rates. Bedenken und Gegenstimmen gab es aus der SPD-Fraktion. Arnd Böttcher, Reiner Hoffmann und Heinrich Oettel begründeten ihre Ablehnung damit, dass trotz Sparmaßnahmen im noch nicht beschlossenen Haushaltsplan für 2012 nun der Sportplatzbau vor dem Straßenbau kommt. "In Kleinwalters- dorf gibt es gerade 65 aktive Fußballer", argumentierte Hoffmann. "Da ist eine knappe Million Euro umgerechnet auf die Nutzerzahl eine unangemessen hohe Summe." Zustimmung kam hingegen von Sabine Berek (AUW/IFS/Grüne). Sie ist Mitglied im Kleinwaltersdorfer Festverein, der durch den Bau seinen Festplatz verliert. "Die Einwohner stehen hinter dem Neubau, auch wenn sie die bittere Pille mit dem Platz schlucken müssen", sagte sie. Die meisten Räte stimmten der Einschätzung von Ruth Kretzer-Braun (Die Linke) zu: "Wir haben Kleinwaltersdorf die Schule genommen. Jetzt können wir einen Teil von Freiberg aufwerten. Das sollten wir tun." . Bevor die Ausschreibung beginnt, muss laut Tiefbauamtsleiter Tom Kunze eine 30-prozentige Förderung genehmigt sein. (tre) Freie Presse am 03.02.2012
Freiberg kann alles
Jeder Freiberger weiß inzwischen, dass unsere Stadt mehr kann als andere... Trotzdem wird sich so mancher verwundert die Augen gerieben haben, als er nebenstehenden Bericht las. Reichlich fünfzig Freizeitfußballer bekommen einen Kunstrasenplatz mit Flutlichtanlage für ca. eine Million Euro...Das ist ein fünfstelliger Betrag pro Hobbykicker, der auf jeden Fall reichte, ihm einen Kleinwagen zu spendieren und zum Training ins Umland fahren zu lassen!
Die Verpflichtung der Abgeordneten lautet bekanntlich, nach ihrer freien, am Gemeinwohl orientierten Überzeugung zu entscheiden. Wir können unseren Kollegen im Rat und dem Oberbürgermeister nicht den Vorwurf ersparen, dass sie bei diesem Beschluss das Gemeinwohl aus dem Auge verloren haben. Es geht nicht an, ein Füllhorn an Wohltaten über Minderheiten auszuschütten, nur weil diese nach dem Kuckucksprinzip ihre Ansprüche am lautesten anmelden, oder besonders rührige Ortsteillobbyisten am Werke sind. Die warnenden Hinweise unserer Fraktion, dass es noch erhebliche Defizite bei Pflichtaufgaben gibt, blieben ohne jede Wirkung. Statt dessen verteidigte man die freiwillige Leistung mit teils eigenartigen Argumenten. Natürlich hat Freiberg Kleinwaltersdorf vor zwei Jahrzehnten nicht die Schule "genommen"...Wegen der zu geringen Schülerzahlen versagte der Freistaat Sachsen seine Mitwirkung, d.h. er hätte keine Lehrer zur Verfügung gestellt. Die Kinder sollten künftig in die Agricolaschule kommen. Ihre Sanierung wäre eine Pflichtaufgabe mit Bezug zu Kleinwaltersdorf. Freilich weist auch darauf nur unsere Fraktion seit langem konsequent und leider erfolglos hin. Kennedy sagte einst:"Fragt nicht immer nur, was kann mein Staat für mich tun, sondern fragt: Was kann ich für meinen Staat tun.." Das ist ohne Weiteres auf unsere Stadt übertragbar, leider steht aber zu befürchten, dass eher das Beispiel mit dem Sportplatz Schule macht. Die Notwendigkeit, künftig wieder mehr zu sparen, hat schon jetzt ein Akzeptanzproblem, bevor sie überhaupt im öffentlichen Bewusstsein angekommen ist. A.Böttcher, 05.02.2012

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